Revolution Glasgow. Oder: Der 24 Stunden Antiheld

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Die zweite Runde der Revolution Rennserie 2017/18 fand im schottischen Glasgow statt. Statt eines puren Rennberichts, Anlass genug für Pushbiker Hannes, diesen Event einmal ganz anders zu rekapitulieren. Statt des Siegers kann man auch der Antiheld sein, statt Madison Time Trial können es auch die Gefühle und Bekanntschaften im Hintergrund sein, die ein Rennen wie Revolution ausmachen. Wir schauen genauer hin.

 


 

 

In Zeiten, in denen Handys HDR Fotografie beherrschen und 4K Actioncams an Drohnen auch für Teenager erschwinglich sind, steigen die Ansprüche des Onlinepublikums und führen zu mitunter abstrusen Auswüchsen. Die Titelgeschichte der European Outdoor Film Tour 2017 beschrieb den Trip von drei Abenteurern, die zunächst mit Kites und Skiern ihre Wildwasser Kanus 1000 Kilometer durch Grönland zogen, um dort einen 25 Meter Drop in einem Gletscherwasserfall zu meistern. Man schläft im Zelt.

        „Der Antiheld: Der Begriff wird am deutlichsten wenn man ihn
        von dem des Helden absetzt. Ein Held ist ein positiv besetzter
        Protagonist mit überdurchschnittlichen Fähigkeiten und Tugenden,
        der im Zentrum der Aufmerksamkeit der Zuschauer steht.
        Antihelden sind Underdog-Figuren (…).“

 

Sind demzufolge all jene, die den Ansprüchen der Instagram- und Snapchat-Gemeinde nicht mehr Reiz genug bieten, für den großen Fame verdammt zum Fristen eines Nebenrollendaseins, des biederen Antihelden?

Oder ist die Resignation und der Rückzug aus der Weltöffentlichkeit der Social Media um stattdessen Erfüllung im Kleinen, Privaten zu finden, der einzig gangbare Weg?

 

 

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Die Maloja Pushbikers suchen ihren Weg irgendwo dazwischen. Schnitt. Glasgow. Revolution.  24 Stunden Antiheld im Rückwärtsgang:

 

Es ist Samstag, der 02.12.2017

23:55 Uhr    Hotelbar. Auf einen Pint Guinness mit den Veranstaltern. Recap des Events. Runterkommen. Begreifen, was da eigentlich so los war.
22:50  Uhr   Sir Chris Hoy Velodrome, Glasgow. Start zum finalen 10 km Scratch Rennen der Revolution Series 2017/18, womit die 100 Kilometer auf dem Holzoval in der Nacht voll waren.
19:30 Uhr    (Kalte) Macaroni & Cheese vor der Evening Session.
17:15  Uhr    Pushbiker Fotoshooting in den Katakomben des Velodroms.
13:40  Uhr    Rennstart: Team Elimination, Madison TT, Punktefahren, Supersprint… die Wattwerte übertreffen alles in der Saison Dagewesene.
11:00  Uhr    Marriott Hotel, Glasgow: Frühstück, Mittagessen und „Race Fuel“ in Einem. Danach soll das Rennen beginnen.
06:30 Uhr    Ryan Air, Frankfurt nach Glasgow.
04:35 Uhr    Frankfurt/Main, Airport Hotel: Wake-Up Call.

 

 

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Auf der kleinen, privaten Ebene war Revolution Glasgow das überschwänglich herzliche Aufeinandertreffen mit den Veranstaltern, mit denen man seit Wochen auf das Event hingefiebert, die man persönlich aber bisher nie kennengelernt hatte. Der Smalltalk mit dem Fotografen über Sinn- und Unsinn von Tinder im Ausland bleibt in Erinnerung. Und die Geschichte von einer Reise bleibt, die uns irgendwann vor Augen führen wird, wie wir versuchten, über dem uns vorgelebten Red Bull Superlativ zu stehen und ihm doch nicht ganz widerstehen konnten. Menschlichkeit wahren, sich im Rennen auch einen Durchhänger erlauben, weil einem die Erkältung der letzten Wochen nachhängt, am Abend (zu) viel Hunger auf schottische Tuna Sandwiches haben, sich mit dem gezeichneten Bild aber 100 % identifizieren zu können, das macht im medialen Zeitalter stolz. Und bleibt Herausforderung zugleich.

 

 

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Bilder: ANDREAS JACOB

 


 

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