RR: Ride & Relax

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Einmal nach Bendigo, Sonne tanken, und zurück. Könnte man so sagen. Stimmt nicht ganz, denn es sind 26 Stunden Reisezeit: statt über den Brenner gen Süden zu fahren (wäre zugegebenermaßen näher vor der Haustür!) fahren wir erstmal bei minus zehn Grad zum Münchner Flughafen – mit knappen 60 kg Gepäck. Bahnrad, Straßenrad, Ersatzräder, alles schön verpackt in einer Bikebag und zwei Taschen. Mit dabei ist auch Andreas und sein Foto Equipment, ebenfalls schön verpackt und ready to go. Ein Stop in Dubai, dann noch zwei Stunden Fahrt von Melbourne nach Bendigo. Endlich sind wir da!

Immer wieder faszinierend nach der ersten Nacht in Australien: das Aufwachen zu Tiergeräuschen, die wir hier bei uns gar nicht kennen. Vögelgezwitscher auf Australisch sozusagen, laut und ungewohnt und schön. Hier heisst es früh aufstehen, das Rad am anderen Ende der Welt wieder auspacken, zusammenbauen, die ersten Sonnenstrahlen einfangen beim schnellen Frühstück und dann geht es gleich wieder los…. mit den BUNCH RIDES. Um 5 Uhr früh, um 6 Uhr oder um 7 Uhr – Es gibt feste Gruppen und feste Zeiten. Von sechs bis 120 Radfahrern gibt es alles, (fast) jeden Tag. Aber der wichtigste Bunch Ride ist der am Dienstag, bis zum Mount Alexander, ab der letzen Brücke geht es los. Auf Strava ist ganz gut ersichtlich, was es heißt, Eigner des KOM´s zu sein… Nach der Abfahrt auf der Nordseite sammeln sich alle wieder und es geht Richtung Swop off (heißt: wir fahren ein Rennen ohne Startnummern), ca. zehn Kilometer nach dem Berg kommt dann der ANGRIFF, gute 20 Minuten Anschlag. Ungefähr 20, 30 Leute kreiseln Richtung Bendigo… Volle Lotte. Jeder, der das Tempo verschleppt, wird übersprintet. Jeder fährt voll.
Nach und nach wird die Gruppe kleiner und kleiner. Am Ende sind es die Profis und ein paar Füchse, die sich über die Wellen gequält haben und super happy zusammen wieder in die Stadt fahren, nachdem wir die imaginäre Sprintline nahe den 1.000 Watt und 60 km/h überfahren haben.

Am Ende steht das Café auf dem Trainingsplan, und ein bisschen Dolce vita. Hier werden Pläne gemacht fürs Geschäft oder für den Club, oder einfach nur besprochen, wie man noch schneller hätte sein können an der imaginären Zielline… ohne Stress, ohne viel Tam Tam – thats Community.

 

 


 

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Wenn es einen Ort in der Radsportwelt gibt, der ein  Mekka oder ein Hotspot der Neuzeit sein sollte, dann ist das Bendigo. Hier unter blauem Himmel und fröhlich strahlender Sonne lassen sich alle soziale Fragen unseres Sports scheinbar ganz einfach lösen. Und auch wenn jemand ambitioniert eine professionelle Karriere anstrebt, findet sich hier die sportliche Komponente. Und tagtäglich wird in der Goldgräberstadt die Frage so gut umschrieben, warum Kaffee und Radsport sich so gerne haben! Dolce Vita, „whats up mate“ – genau das macht den Unterschied. Manchmal kommt es mir dann so vor, als ob wir im Germanischen nach Sinn und Grund jeder Bewegung fragen, und im Zweifel die Dinge oft so negativ auslegen – vielleicht ist auch das ein entscheidender Unterschied.

 


 

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Aber eigentlich sind Nick und ich wegen einer ganz anderen Sache hier: dem BENDIGO MADISON!

Zum dritten Mal treten wir gemeinsam an, 2016 wurden wir Zweite, im vergangenen Jahr verloren wir auf den letzten Runden und wurden knapp Vierte…. da schreit alles nach Revanche! Wir trainieren bei den Bunch Rides, können täglich auch auf die Bahn. Motor Training hinter dem Pace Maker. An den Übergaben pfeilen. Und für uns auch eine riesige Motivation: unser neues Team Trikot 2018 das erste Mal tragen! Optimale Voraussetzungen, besser geht es eigentlich nicht. Wenn wir nicht auf dem Rad sind, dann sind wir „part of the family“. Wohnen bei den Organisatoren des Madison Events, die mittlerweile Freunde sind. Werden zum Frühstück oder zum Kajakfahren eingeladen. „Community“ ist wieder einmal das passende Stichwort. Wir Europäer dürfen mittendrin dabei sein.

 

Das lang vorbereitete Rennen findet unter wolkenlosem Himmel im Freien statt. Und es wird wie ein großes Volksfest inszeniert. Sportbegeisterung und Expertise, ja! – aber bitte mit Lässigkeit, mit Familien und Klappstühlen und als großes Zusammen-Sein. Ein super Fahrerfeld, viele starke junge Australische Fahrer. Nick und ich kommen gut ins Rennen. Bis ich durch einen anderen Fahrer vom Rad geholt werde, stürze und Nick alleine im Feld lassen muss. Ein neues Vorderrad muss her, das Atmen fällt schwer, das Knie blutet. Ich steige wieder auf, denke mir „das kann es doch nicht gewesen sein“. Wir kämpfen uns wieder nach vorne, machen ein wenig der verloren Positionen gut. Für ein Ergebnis auf den vorderen Plätzen reicht es nicht. Mit geprellten Rippen, wie sich danach rausstellt, kann man nur schwerlich voll auffahren. So hat es diesmal nicht mit dem erhofften Resultat geklappt – noch ein Grund mehr, wiederzukommen!

 

Bis dahin

EUER CHRISTIAN.

 


 

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Fotos by Andreas Jacob.

 


 

 

 

 

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